Ahe-Hammer

Industriedenkmal





Ahe-Hammer



Seit 2013 ist die Stiftung Industriedenk-malpflege und Geschichtskultur die Eigentümerin des Technikdenkmals "Ahe-Hammer" in Herscheid. Das seit 1984 unter Denkmalschutz stehende historische Hammerwerk wurde Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut.


Das Denkmal befindet sich auf einem 5265m² großen Areal und umfasst ein Bruchstein-Fachwerk-Gebäude mit einer wertvollen technikhistorischen Ausstattung in Form eines durch Wasserkraft betriebenen Hammerwerks. Erhalten sind zwei Hämmer und zwei Wasser-räder (mit Wasserläufen), die für den Antrieb der Hämmer bzw. für die Winderzeugung an den zwei ebenfalls erhaltenen Schmiedefeuer-stellen zuständig sind. Zum Denkmalumfang zählt des Weiteren ein mit zwei Wehren ausgestatteter Teich (Staubecken), der durch die Schwarze Ahe gespeist wird.

Umgeben von Wiesen und Wäldern fügt sich das historische Hammerwerk "Ahe-Hammer" harmonisch in die Landschaft. In einer Mulde im Tal der Schwarzen Ahe gelegen, bietet es mit seinem breiten, flachen Dach, dem Mauerwerk aus Grauwacke und dem dunklen Fachwerk heutzutage ein idyllisches Bild. Auf den ersten Blick erinnert hier wenig an die Zeiten, in denen dieser Ort von harter Arbeit geprägt war. 

Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein wurde in der Schmiede des Ahe-Hammers der sogenannte "märkische Osemund", eine hochwertige, zähe und gut schmiedbare frühe Stahlsorte hergestellt. Wegen ihres geringen Kohlenstoffanteils war sie gut umformbar
und daher besonders für die Herstellung von Draht geeignet, der in den Städten Lüdenscheid,


Iserlohn und Altena produziert wurde und lange Zeit als das Markenzeichen des Süderlandes galt.

Vermutlich wurde der Ahe Hammer Mitte des 17. Jahrhunderts errichtet. Seine heutige Gestalt erhielt das Hammerwerk Ende des 19. Jahrhunderts, als der Osemund zunehmend vom günstiger zu erzeugenden Puddelstahl verdrängt wurde und der Umbau zu einem Raffinierhammer erfolgte. Dieser war bis 1941 in Betrieb. Nach der Stilllegung wurde der Ahe- Hammer im Jahr 1950 instandgesetzt und renoviert. Seit 1984 steht er unter Denkmalschutz.

Rund 400 Jahre lang war die Familie bzw. Firma Brüninghaus (Mit-)Eigentümer des Ahe-Hammers, von 1998 bis 2012 die Hoesch Federn GmbH/seit 2013 ThyssenKrupp Federn GmbH. Seit dem 1. Januar 2013 befindet sich der Hammer im Eigentum der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, die sich seither um den Erhalt und die Öffnung des Denkmals kümmert.

Im Inneren der Schmiede sind die beiden historischen  "Schwanzhämmer" erhalten, die heute bei Vorführungen im Schaubetrieb eindrucksvoll deutlich machen, wie hier mit Hilfe der Wasserkraft der Schmiedeprozess in Bewegung gesetzt wurde. Damals wie heute wird das Wasser der Ahe in einem Hammerteich gestaut, der sich direkt hinter dem Gebäude befindet. 


Durch Flutkästen stürzt das Wasser auf zwei oberschlächtige Wasserräder von etwa drei Metern Durchmesser. Eines der Räder erzeugt dabei in einer Kolbenpumpe Wind für die Essen, während das andere Rad über ein Getriebe die Hammerachse, das kostbarste Stück des Hammers, antreibt. Die auf der Achse angebrachten "Kammen" drücken das Ende des Hammerstiels ("Hammerhelf") nach unten, wo er mit dem Helfband auf den im Riedwerk verankerten Stößel trifft, von dort abprallt und wieder in die entgegengesetzte Richtung beschleunigt wird. Der Hammerkopf wird dadurch zunächst nach oben gedrückt und schnellt durch den Abprall des Hammerhelfs vom Stößer und durch sein Eigengewicht zurück nach unten. Der Hammer trifft dadurch auf das im Amboss verankerte Geschläge bzw. auf das Schmiedegut. Mit dieser Technik kann der Hammer bis zu 200 Schläge pro Minute ausführen. Bei heutigen Vorführungen wird dieser Prozess anschaulich gemacht, indem ein glühendes Stück Stabeisen mit dem Hammer geformt wird.

Neben der eigentlichen Schmiede sind noch der alte Kohlenbunker, die Schreibstube - das "Comptoir" - und die Schlafstube der Schmiede erhalten Sie vermitteln den Besuchern einen interessanten Einblick in das Arbeits- und Alltagsleben der Schmiedeleute.

Seit den 1950er Jahren ist die Hammer-schmiede einem interessierten Publikum im Rahmen von Schmiedevorführungen zugänglich. Die künftige Nutzung knüpft an diese Tradition an und sieht eine regelmäßige Öffnung des Denkmals mit Schmiedevor-führungen und Lerneinheiten zu Technik, Wasserkraft, Eisen und Stahl für ein generationenübergreifendes Publikum und im Besonderen für Schulklassen vor.