Ahe-Hammer

Industriedenkmal





Ahe-Hammer

Seit 2013 ist die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur die Eigentümerin des Technikdenkmals "Ahe-Hammer" in Herscheid. Das seit 1984 unter Denkmalschutz stehende historische Hammerwerk wurde erstmals im Jahre 1562 genannt.

Das Denkmal befindet sich auf einem 5265m² großen Areal und umfasst ein Bruchstein-Fachwerk-Gebäude mit einer wertvollen technikhistorischen Ausstattung in Form eines durch Wasserkraft betriebenen Hammerwerks. Erhalten sind zwei Hämmer und zwei Wasserräder (mit Wasserläufen), die für den Antrieb der Hämmer bzw. für die Winderzeugung an den zwei ebenfalls erhaltenen Schmiedefeuerstellen zuständig sind. Zum Denkmalumfang zählt des Weiteren ein mit zwei Wehren ausgestatteter Teich (Staubecken), der durch die Schwarze Ahe gespeist wird.

Umgeben von Wiesen und Wäldern fügt sich das historische Hammerwerk "Ahe-Hammer" in Herscheid harmonisch in die Landschaft. In einer Mulde im Tal der Schwarzen Ahe gelegen, bietet es mit seinem breiten, flachen Dach, dem Mauerwerk aus Grauwacke und dem dunklen Fachwerk heutzutage ein idyllisches Bild.

Auf den ersten Blick erinnert hier wenig an die Zeiten, in denen dieser Ort von harter Arbeit geprägt war. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein wurde in der Schmiede des Ahe-Hammers der sogenannte "märkische Osemund", ein hochwertiges, sehr weiches, zähes und gut schmiedbares Eisen hergestellt, das wegen seines geringen Kohlenstoffanteils gut verformbar und daher besonders für die Herstellung von Draht geeignet war, der in den Städten Lüdenscheid, Iserlohn und Altena produziert wurde und lange Zeit als das Markenzeichen des Süderlandes galt.


Vermutlich wurde der Ahe Hammer zwischen 1592 und 1612 errichtet. Seine heutige Gestalt erhielt das Hammerwerk Ende des 19. Jahrhunderts, als der Umbau zu einem Raffinierhammer erfolgte. Dieser war bis 1941 in Betrieb. Nach der Stilllegung wurde der Ahe Hammer im Jahr 1950 instandgesetzt und renoviert; seit 1984 steht er unter Denkmalschutz.

Rund 400 Jahre lang war die Familie bzw. Firma Brüninghaus (Mit-)Eigentümer des Ahe-Hammers, von 1998 bis 2012 die Hoesch Federn GmbH/seit 2013 ThyssenKrupp Federn GmbH. Seit dem 1. Januar 2013 befindet sich der Hammer im Eigentum der Stiftung Geschichtskultur und Industriedenkmalpflege, die sich seither um den Erhalt und die Öffnung des Denkmals kümmert.

Im Inneren der Schmiede sind die beiden historischen sogenannten "Schwanzhämmer" erhalten, die heute bei Vorführungen im Schaubetrieb eindrucksvoll deutlich machen, wie hier mit Hilfe der Wasserkraft der Schmiedeprozess in Bewegung gesetzt wurde. Damals wie heute wird das Wasser der Ahe in einem Hammerteich gestaut, der sich direkt hinter dem Gebäude befindet. Durch Flutkästen stürzt das Wasser auf zwei oberschlächtige Wasserräder von etwa drei Metern Durchmesser. Eines der Räder erzeugt dabei in einem Blasebalg Wind für den Ofen,

während das andere Rad über ein Getriebe die Hammerachse, das kostbarste Stück des Hammers, antreibt. Die angebrachten "Kammen" der Achse drücken den Hammerstiel ("Hammerhelf") nach unten, wodurch der Hammerkopf nach oben gedrückt wird und durch sein Eigengewicht zurück nach unten schnellt. Das am Hammerkopf angebrachte "Geschläge" trifft dabei auf den Amboss. In dieser Bewegung kann der Hammer bis 200 Schläge pro Minute produzieren. Bei heutigen Vorführungen wird dieser Prozess anschaulich gemacht, indem ein glühendes Stück Stabeisen mit dem Hammer geformt wird.

Neben der eigentlichen Schmiede sind noch der alte Kohlenbunker, die Schreibstube - das "Comptoir" - und die Schlafstube der Schmiede erhalten, die den Besuchern einen interessanten Einblick in das Arbeits- und Alltagsleben der Schmiedeleute geben.

Seit den 1950er Jahren ist die Hammerschmiede einem interessierten Publikum im Rahmen von Schmiedevorführungen zugänglich. Die künftige Nutzung knüpft an diese Tradition an und sieht eine regelmäßige Öffnung des Denkmals mit Schmiedvorführungen und spielerischen Aktionen und Lerneinheiten zu Technik, Wasserkraft, Eisen und Stahl für ein generationenübergreifendes Publikum und im Besonderen für Schulklassen vor.